Stimmlippenbewegung

Wie die Stimmlippen durch Strömung automatisch angesaugt werden - das ist einerseits trivial, denn es passiert ja in Ihnen andauernd.

Andererseits kommt einem diese Beschreibung aber auch wieder abstrakt vor - denn fühlbar ist dieses Ansaugen selbst ja nicht. Fühlbar sind meist vor allem unnütze Anstrengungen, die wir im Hals veranstalten, und aus einer solchen Anstrengung abgeleitet möchte man vielleicht die Stimme  werfen, den Frosch aushusten und dann werfen, in die Welt, den Zuhörern sozusagen um die Ohren werfen.

In Fachpublikationen und im Unterricht findet man auch oft die Rede vom “Aufsprengen der Stimmlippen” - eine furchtbare Vorstellung!

Experiment Strömung - Ansaugen

Hier nun ein kleines Experiment, entnommen einem Buch für Kinderphysik (Das Haus der kleinen Forscher, Joachim Hecker, Rowohlt 2008)  das gar nicht auf die Stimme abzielte. Sie benötigen zwei Löffel und einen Wasserhahn.

Löffel - Stimmlippen -Experiment

Die Löffel stehen für die beiden Stimmlippen.

Sind die Löffel aneinandergesaugt, ist der Strom durch die Enge unterbrochen (die Enge verschlossen) und die Löffel pendeln wieder auseinander. Nun gibt es wieder den Strom, der durch die Enge fließt und die damit einhergehende Saugwirkung, die Löffel werden zueinandergesogen... Sie klappern. Bei der Stimme geht diese Bewegung so schnell, dass statt eines Rhythmus’ ein Ton hörbar wird.

  • Wie weit müssen Sie die Löffel annähern, bis sie angesogen werden?
  • Was ändert die Strömungsgeschwindigkeit (Wasserhahn mehr oder weniger aufdrehen?)
  • Wie verhalten sich größere zu kleineren Löffeln?

Die eigene Stimme

Für die eigene Stimme mag diese Erkenntnis nützlich sein: Mehr als das Annähern (der Stimmlippen) ist nicht zu tun um Stimme zu machen!

Denn Sog und Elastizität der Stimmlippen (für die Öffnungsbewegung) sorgen für den Rest der Bewegung.

Stimme zu erzeugen bedeutet also weniger, eine Bewegung zu tun, als vielmehr, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Wenn Sie die Löffel zu weit auseinander halten, passiert nichts. Selbst, wenn Sie den Wasserhahn voll aufdrehen. Und verbessert das Aneinanderpressen der Löffel deren Klapperrhythmus?

Eine “kräftige Stimme” verfügt ebenso  weniger über einen kräftigen Beweger, als mehr über die Fähigkeit, sich geschickt auf das Phänomen “Strömung und Sog” einzustellen.

Viele Übungen des funktionalen Stimmtrainings befassen sich mit dem Saug-Phänomen.

Begeben Sie sich einmal mit dieser Erfahrung in den Fingern in die Bild-Text-Landschaft von Heinz Stolze.