Textarbeit

Wer einen Text sprechen oder spielen will, steht vor dem Problem, etwas sagen zu wollen, was er oder sie so nie sagen würde. Nicht sagen könnte oder wollte. Ein Text - ein Gedicht, ein Romanausschnitt, ein  Rollentext, eine Rede usw. liegen vor einem wie ein Fisch ohne Wasser.

Die Aufgabe des Schauspielers ist es, dem Text eine Umgebung zu verschaffen, in der er Sinn macht. In der es Sinn macht, ihn  zu sagen. In der es Sinn macht, das so zu sagen.

Das So und das Wie stehen dabei nicht im Vornherein fest. Es ist nirgends nachschlagbar, wie ein Gedicht x von Goethe, wie Kafka oder Beckett, das Alte Testament oder sonstein Text gesprochen werden muss oder sollte. Kein Literaturwissenschaftler kann diese Aufgabe lösen. nicht ein für allemal und nicht einmal im Einzelfall. Denn der Schauspieler, der diesen Text spricht, gehört zur Umgebung des Textes dazu.

Einen Text zu sprechen oder zu spielen ist also immer eine Pionierarbeit, das besteigen eines Gipfels, auf dem zuvor noch niemand war.

Klicken Sie hier für eine Analyse von “Großer Lärm” von Franz Kafka.

Interessant an diesem Text ist Vieles. Unter anderem sind das die “musikalischen Anweisungen”, die Kafka in den Text eingebaut hat. (Diese finden sich bei Kafka überall.)

Die Frage nach (Sprech-) Haltungen wird hier noch nicht erörtert. Die Frage, wie die Strukturelemente aufgefasst werden sollen (“Soll ich die musikalischen Anweisungen befolgen - oder sie gegenläufig sprechen?” Lohnend ist es beispielsweise, die lautestes Passagen - entgegen der Erwartung - zwar äußerst gespannt aber zugleich äußerst leise zu sprechen) ebenfalls nicht. Diese Analyse befasst sich mit der Darstellung der tieferen Strukltur. Aus ihr lassen sich unterschiedliche Lesarten - und damit auch Sprecharten - ableiten.

Dazu gehört auch der Umgang mit dem klanglichen Material.   Dieses kann bei Bedarf einzeln - als Ausssprachübung gewissermaßen - genutzt werden.

die letzten beiden Seiten zeigen, wie die grafische Darstellung des Textes auf Verständnis und Vortrag wirken. Lesen Sie einmal die vorletzte Seite. Und dann denselben Text wie auf der letzten Seite notiert.  Diese Notation beinhaltet schon eine Lesart des Textes. Aber wie setzen Sie diese um? Und welche Möglichkeiten ermöglicht diese Lesart noch?